Immer mehr erneuerbare Energie trifft auf ein begrenztes Netz – ohne Steuerbarkeit drohen Risiken und Verluste. Warum die neuen Steuerbarkeitschecks für Betreiber entscheidend sind, zeigt unser Artikel.
Hintergrund: Warum müssen Anlagen steuerbar sein?
Der Strommarkt funktioniert nach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage: Wird mehr Strom erzeugt als verbraucht, sinken die Preise, im Extremfall sogar unter null. In solchen Situationen kommt es zu negativen Strompreisen. Das bedeutet, dass Erzeuger Geld bezahlen müssen, damit ihr Strom überhaupt abgenommen wird.
Viele Anlagen, insbesondere Photovoltaikanlagen, erhalten eine feste Einspeisevergütung – unabhängig vom Marktpreis. Wenn die Preise negativ sind, besteht daher kein Anreiz für die Betreiber, ihre Einspeisung zu reduzieren. Dies führt zu erheblichen Überangeboten im Netz und kann die Netzstabilität gefährden.
Um dies zu verhindern, schreibt das neue Energiewirtschaftsgesetz (§ 12 Abs. 2a–h EnWG) vor: Netzbetreiber müssen sogenannte Steuerbarkeitschecks durchführen, also sicherstellen, dass sie die Einspeisung von Anlagen beeinflussen und abrufen können, um die Netzstabilität zu gewährleisten.
Aktuelle Zahlen aus dem Jahr 2024
- In Deutschland gab es im Jahr 2024 457 Stunden mit negativen Strompreisen (bei insgesamt 8 784 Stunden im Schaltjahr). Das entspricht im Durchschnitt mehr als einer Stunde pro Tag, in der die Einspeisung wirtschaftlich nachteilig war.
- Viele Erzeugungsanlagen verfügen nicht über die technische Möglichkeit zu reagieren. Derzeit sind nur etwa 54 GW von insgesamt 82 GW installierter PV-Leistung steuerbar.
- Das bedeutet: Fast 30 GW Leistung also rund ein Drittel sind nicht steuerbar und können im Ernstfall die Stabilität der Netze gefährden.
Was bedeutet Steuerbarkeit?
Unter Steuerbarkeit versteht man die technische Möglichkeit, dass Netzbetreiber die Einspeiseleistung einer Anlage bei Bedarf fernwirken können. Dabei muss die Anlage ein externes Signal empfangen und die Einspeisung entsprechend anpassen.
Wichtige Aspekte sind:
- Messbarkeit: Die aktuelle Einspeiseleistung muss für den Netzbetreiber abrufbar sein.
- Reaktionsfähigkeit: Die Anlage muss auf Steuerbefehle zeitnah reagieren.
- Nachweisbarkeit: Die Reaktion muss durch Messung überprüfbar sein.
Was genau leisten die Steuerbarkeitschecks?
- Ziel: Netzbetreiber müssen jederzeit in der Lage sein, die Einspeisung zu messen und bei Bedarf gezielt zu steuern.
- Betroffene Anlagen:
- 2025: Alle Anlagen mit einer Nennleistung ≥ 100 kW, die bis zum 1. Mai 2025 in Betrieb genommen und im MaStR registriert sind.
- Ab 2026: Auch Anlagen mit einer Nennleistung < 100 kW, sofern diese steuerbar sind.
- Durchführung: Ein genauer Testtermin kann im Vorfeld nicht benannt werden, da er von Netz- und Wetterbedingungen abhängt. Die Eingriffe werden jedoch so gestaltet, dass sie den regulären Anlagenbetrieb möglichst wenig beeinträchtigen. Eine Entschädigung für den Test ist nicht vorgesehen er gilt als notwendige Maßnahme zur Sicherung der Netzstabilität.
Wichtiger Hinweis:
Die Steuerbarkeitschecks sind nicht nur eine technische Pflicht. Ohne erfolgreich nachgewiesene Steuerbarkeit riskieren Anlagenbetreiber nach § 52 EEG den Verlust ihrer Vergütung. Das bedeutet konkret: keine Auszahlung der Einspeisevergütung oder Marktprämie, solange die gesetzlichen Anforderungen nicht erfüllt sind.
Fazit
Die Energiewende kann nur gelingen, wenn Netzstabilität und Versorgungssicherheit jederzeit gewährleistet sind. Steuerbarkeitschecks schaffen Transparenz, stellen die Funktionsfähigkeit der technischen Einrichtungen sicher und ermöglichen es, Erzeugungsüberschüsse kontrolliert zu handhaben.
Was sind Steuerbarkeitschecks und warum sind sie wichtig? E-Werk Mainbernheim